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Indisches Kino
Indisches Kino - Bollywood


Hindi-Filmproduktionen

Jahr

Anzahl

 

1935

154

 

1945

73

 

1955

125

 

1965

98

 

1975

119

 

1985

185

 

1995

157

 



800 Kinofilme werden pro Jahr in Indien produziert. Das bedeutet, dass statistisch gesehen jeden Tag mindestens zwei neue Filme gestartet werden. Damit ist Indien in der Filmproduktion Weltmarktführer. Bombay, Kalkutta und Madras sind die Traumfabriken Indiens: Hier sind die gigantischen Studios, hier leben die Stars und hier liegt das Geld für einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Indiens. Dank Filmen wie "Kabhi Kushi Kabhi Gham" gewinnt das indische Kino auch hierzulande immer mehr Fans.

Viele Inder sind enthusiastische Kinogänger. Rund zehn Millionen Menschen strömen täglich in die Kinos, obwohl Preise von umgerechnet 50 Cent bis drei Euro dem Tageslohn eines normalen Arbeiters entsprechen. Für dieses Geld erwarten die Menschen vom Film vor allem eins: Er soll sie möglichst lange unterhalten und in eine schönere Welt entführen - dass manche Kinos dabei noch klimatisiert sind und man sich vorzüglich von der sengenden Hitze in vielen Teilen Indiens erholen kann, ist sicher für viele ein angenehmer Nebeneffekt.

Seit Generationen haben die Filmemacher die Bedürfnisse des indischen Publikums durchschaut und versuchen, sie zu befriedigen. Dabei ist eine Filmkultur entstanden, die sich stark von der westlichen unterscheidet. Das indische Publikum hat eine stark ausgeprägte Erwartungshaltung an den jeweiligen Film: Es will emotionale Szenen, Aktion, Drama, Liebesszenen und Tragödie und vieles davon zusätzlich noch in Tanzszenen umgesetzt sehen. Diese sollen mindestens 60 Minuten des Gesamtfilms ausmachen, der übrigens eine Länge von drei Stunden nicht unterschreiten sollte. Die künstlerischen Parameter, in denen indische Regisseure arbeiten, sind eng gesetzt.

Auf westliche Kinobesucher wirken indische Filme zuerst befremdlich. Sie erleben die Filme oft als ein zusammenhangloses Potpourri aus Musik und Bildern. Besonders auffällig ist die Länge der Filme. Aus den mindestens drei Stunden langen Epen werden bei den meisten ungeschulten Betrachtern gefühlte sechs Stunden. Der Grund hierfür: Die Dramaturgie der Filme erschließt sich dem westlichen Betrachter nicht. Er sieht den Film mit einer durch amerikanische Mainstream-Filme geprägten Erwartungshaltung, die fast zwangsläufig enttäuscht wird.

Westliche Filme arbeiten nach einer klar strukturierten Dramaturgie: Die Handlung schreitet kontinuierlich voran, spitzt sich zu, die einzelnen Handlungsebenen bedingen sich in ihrem Ablauf oder ergeben sich auseinander. Besonders wichtig für den westlichen Film: die Stringenz der Handlung. Der Zuschauer soll sich ständig fragen: "Was passiert als Nächstes? Was könnte sich aus dem gerade Gesehenen ergeben?". Die tendenziell eher schicksalsgläubigen Inder schauen ihre Filme viel weniger zielorientiert. Im indischen Kino ist der Weg das Ziel. Hier kann die Spannungsdramaturgie kurz aussetzen, wenn der Held und die Heldin des Films singen und tanzen. Die Tanzeinlagen sollen nicht zwingend die Handlung des Films vorantreiben, sondern stehen als Attraktionswert für sich. Wenn zum Beispiel ein indischer Produzent befindet, dass in seinem Film noch eine Actionszene fehlt, so wird sie in einer Nebenhandlung untergebracht, die nicht zwangsläufig die Haupthandlung voranbringt oder gar mit ihr zu tun haben muss.

Besonders deutlich wird der Unterschied in der indischen und westlichen Kinokultur bei den Tanzszenen: Westliche Filmfreaks betreiben voller Stolz ungezählte Internetseiten mit Continuity-Fehlern, die sie in Filmen gefunden haben. Von einem Continuity-Fehler spricht man beispielsweise, wenn ein Schauspieler mit einer blauen Unterhose das Wohnzimmer verlässt und in der nächsten Szene mit einer roten ins Bad tritt. Das Aufspüren solcher Unaufmerksamkeiten der Filmemacher ist zu einer Art Volkssport für viele Filmfans geworden. Betrachtet man vor diesem Hintergrund indische Tanzszenen, so fällt auf, dass die indischen Filmemacher gar keinen Wert auf eine stringente Bildlogik legen. Tanzt das Paar in der ersten Szene in grünen Gewändern auf der Bergspitze des Mount Everest, ist es einige Sekunden später in blauen Kleidern beim Tanz um einen Baum im Schwarzwald zu sehen. Die indischen Regisseure wissen: Dem indischen Zuschauer geht es nicht um die Continuity, sondern er will sich verzaubern lassen. Viele exklusive Drehorte und schöne Verkleidungen sind ihm wichtiger als die Bildlogik in der Szenenabfolge.

 




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Phir Bhi Dil Hai Hindustani! Mein Herz schlägt indisch!